Zum Abschied: Fünf gemeinsame Jahre
Zum 31. August verlasse ich nach fünf Jahren den Bundesverband Psychosozialer Zentren. Fünf Jahre sind eine überschaubare Zeit. Und doch hat sich in ihnen vieles verschoben – im Verband, in der psychosozialen Versorgung und in den politischen Verhältnissen, unter denen wir arbeiten.
Als ich 2021 die Geschäftsleitung der BAfF übernahm, waren wir noch mitten in der Coronapandemie. Bald folgten die Evakuierungen aus Afghanistan und das Ringen um weitere Aufnahmezusagen. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine begann, andere Kriege und Krisen kamen hinzu. Zugleich wurde der politische Ton gegenüber Geflüchteten schärfer. Drei Bundesregierungen, die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems und zahlreiche Gesetzesverschärfungen haben diese Jahre geprägt.
Auch die BAfF ist in dieser Zeit eine andere geworden. Das Netzwerk ist gewachsen, die Geschäftsstelle hat neue Aufgaben übernommen und ihre fachliche wie politische Arbeit ausgebaut. Gemeinsam mit den Zentren haben wir Versorgungsberichte und Stellungnahmen veröffentlicht, Kampagnen entwickelt und dafür gestritten, dass Menschen nach Folter, Krieg, Verfolgung und Flucht die Unterstützung erhalten, die sie brauchen.
Zweimal ist die Geschäftsstelle in diesen fünf Jahren umgezogen. Der zweite Umzug führte uns im Frühjahr 2026 ins Global Village. Fast gleichzeitig wurde aus der BAfF der Bundesverband Psychosozialer Zentren – Versorgung nach Folter, Krieg und Flucht. Der neue Name, das neue Erscheinungsbild und diese Website erzählen von einem Verband, der gewachsen ist und deutlicher zeigt, wofür er steht.
Etwas aber ist geblieben: die Überzeugung, dass psychosoziale Versorgung und Menschenrechte zusammengehören. Die Zentren begleiten Menschen, die politische Gewalt erlebt haben und deren Belastungen durch das Leben nach der Flucht oft noch verschärft werden. Sie geben Halt, während viele von ihnen selbst Jahr für Jahr um ihre Finanzierung ringen müssen.
Hans Keilson hat mit dem Begriff der sequenziellen Traumatisierung beschrieben, dass Gewalt nicht einfach endet, wenn der unmittelbare Terror vorüber ist. Auch das Danach prägt ihre Folgen: ob Menschen aufgenommen oder ausgegrenzt werden, ob sie Sicherheit finden und ob ihre Erfahrungen Anerkennung erfahren. Die Arbeit der Psychosozialen Zentren richtet sich deshalb nicht allein auf das, was Menschen widerfahren ist. Sie stellt immer auch die Frage, in welcher Gesellschaft diese Menschen weiterleben.
Diese Frage ist heute dringlicher denn je. Schutzsuchende werden immer häufiger als Belastung oder Bedrohung dargestellt. Menschenrechte aber bewähren sich nicht in Sonntagsreden. Sie müssen im Alltag ankommen: in Beratungsräumen und Therapiesitzungen, in Behörden, Gesetzen und Haushaltsentscheidungen.
Ich gehe mit Dankbarkeit für die vielen Begegnungen, für die Zusammenarbeit und auch für die Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre. Wir haben gemeinsam einiges bewegt. Vieles bleibt offen, manches muss weiter erkämpft werden. Ich gehe, aber die Erfahrungen dieser Jahre und die Anliegen der Psychosozialen Zentren nehme ich mit.
Lukas Welz
Geschäftsleitung 2021–2026/
Director of a German umbrella organisation

